Die Stadt Linz unterstützt als Sozialhilfeträger Menschen, die ihren Lebensunterhalt weder durch den Einsatz ihrer Arbeitskraft noch durch ausreichendes Einkommen bestreiten können. Mit diesem sozialen Sicherungssystem wird vor allem LinzerInnen unter die Arme gegriffen, die nicht in sozialen Einrichtungen leben.
Die Ausgaben für diese so genannte „offene Sozialhilfe“ betrugen vergangenes Jahr insgesamt 6,36 Millionen Euro. Das sind um rund 867 000 Euro oder 15 Prozent mehr als noch 2008. Insgesamt bezogen 2009 2 241 unterschiedliche Personen Sozialhilfe. 389 erhielten einmalige Beihilfen im Wert von mehr als 56 300 Euro. Durchschnittlich erhält ein Sozialhilfebezieher 202 Euro im Monat.
Der Anteil der Frauen, welche Sozialhilfe beziehen, sank im Vergleich zu 2008 um 1,5 Prozent. Dennoch ist die Auswirkung der Wirtschaftskrise sichtbar. 40 Prozent mehr Personen beziehen Unterstützung aus der Sozialhilfe aufgrund zu geringer Leistungen des AMS oder eines zu geringen Einkommens. Dafür sank im Vergleich die Zahl jener Menschen, die über kein Einkommen verfügen um 11 Prozent. 41 Prozent aller Sozialhilfebezieher könnten während des Jahres 2009 wieder selbständig ihren Lebensunterhalt bestreiten.
„Die Entwicklung der Sozialhilfe im letzten Jahr spiegelt die Situation in der Wirtschaft wider. Die gestiegene Arbeitslosigkeit, vor allem bei Männern, schlägt sich in weiterer Folge auf eine größere Inanspruchnahme der Sozialhilfe nieder. AMS-Maßnahmen und das Konjunkturpaket der Stadt federten die Krisenfolgen jedoch ab. Die Sozialhilfe stellt ein wichtiges Auffangnetz dar. Mit unterschiedlichen Maßnahmen wie Jobimpuls und mit der engen Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice wird gleichzeitig versucht, die Betroffenen möglichst rasch wieder in die Arbeitswelt zu integrieren,“ sagt Sozialreferent Vizebürgermeister Klaus Luger.
Die Weltwirtschaftskrise macht auch vor Linz nicht Halt. In den letzten Jahren war die Arbeitslosenquote im Arbeitsmarktbezirk Linz sehr gering. 2006 betrug die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 3,7 Prozent, 2007 waren es 3,4 Prozent und 2008 nur mehr 3,3 Prozent. Im vergangenen Jahr stieg die Arbeitslosenquote in Linz im Jahresdurchschnitt auf 4,3 Prozent. Knapp 5 694 Menschen suchten Ende Dezember in der Landeshauptstadt Linz eine Beschäftigung. 2008 waren es im Vergleichsmonat 4 729 Personen. Das entspricht einer Steigerung von 20 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres.
| Quote | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 |
|---|---|---|---|---|
|
Arbeitslosenquote Linz (Jahresdurchschnittswerte) |
3,7 % | 3,4 % | 3,3 % | 4,3 % |
Die Unterstützung für den Lebensunterhalt erfolgt durch eine monatliche Zahlung, die für Alleinstehende im heurigen Jahr maximal 577,50 Euro beträgt. Für Familien und Mehrpersonenhaushalte gibt es gesonderte Zuschläge. Quartalsweise gibt es zudem eine Sonderzahlung in halber Höhe eines Monatsbezuges.
Vorraussetzungen für einen Sozialhilfebezug sind: ein Hauptwohnsitz in Linz, das Vorliegen einer sozialen Notlage sowie die Mithilfe der hilfebedürftigen Person, in angemessener Weise zur Bewältigung oder Überwindung der Notlage beizutragen.
Für größere Ausgaben, die nicht alleine zu finanzieren sind, können BezieherInnen laufender Sozialhilfe einmalige Zuschüsse in Anspruch nehmen: beispielsweise beim Wohnungswechsel und anfallender Kaution, für die Ersteinrichtung oder etwa die Anschaffung von größeren Haushaltsgeräten. 2008 wurden 483 Personen mit 71 094 Euro, im vergangenen Jahr 389 Personen mit 56 365 Euro unterstützt.
Die Sozialhilfe entwickelte sich in den vergangenen Jahren aufgrund der guten Arbeitsmarktlage – 2008 herrschte weitgehend Vollbeschäftigung – rückläufig. Im Jahr 2009 stieg sie nicht zuletzt aufgrund der Wirtschaftskrise wieder an. Exakt 6 366 306 Millionen Euro zahlte die Stadt an Sozialhilfe und einmaligen Zuschüssen aus. Den größten Teil, 48 Prozent, erhielten dabei Personen, die überhaupt kein Einkommen vorweisen konnten. An zweiter Stelle folgten arbeitslose Menschen, die eine Ausbildungsmaßnahme des AMS absolvieren und dafür unter dem Sozialhilferichtsatz entlohnt werden. Der Sozialhilferichtsatz für alleinstehende Personen beträgt in Oberösterreich 577,50 Euro. Bei Hilfebedürftigen, die wegen ihres Alters, Gesundheitszustandes oder ihrer familiären Situation voraussichtlich für längere Zeit auf die Leistungen sozialer Hilfe angewiesen sind beträgt der Sozialhilferichtsatz für Alleinstehende 598,50 Euro.
| Gründe | Geschlecht | Veränderung gegenüber 2008 | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Männlich | Weiblich | Gesamt | absolut | % | |
| AMS Leistung | 396 | 362 | 758 | +263 | 53% |
| Geringer Unterhalt | 7 | 72 | 79 | -26 | -25% |
| Geringes Einkommen | 191 | 266 | 417 | +69 | 20% |
| Kein Einkommen | 449 | 419 | 868 | -106 | -11% |
| Kinderbetreuung | 10 | 109 | 119 | +33 | 38% |
| Summe | 1 053 | 1 228 | 2 241 | ||
2 241 LinzerInnen bezogen im vergangenen Jahr Sozialhilfe. Dies entspricht einem Zuwachs von knapp 12 Prozent gegenüber dem Jahr 2008. Die größte Gruppe der BezieherInnen stellen die 868 Personen Gruppe ohne jegliches Einkommen dar (rund 38 Prozent). Gefolgt von den 758 Personen oder rund 34 Prozent, die zwar eine Arbeitsmarktservice-Leistung (Arbeitslosengeld, Notstand) beziehen, diese aber niedriger als der festgelegte Sozialhilferichtsatz ist. Die Differenz wird von der Stadt Linz ausgeglichen.
Eine weitere Ursache für den Sozialhilfebezug ist ein zu geringer Unterhalt. Dieser Anspruchsgrund beträgt über die Jahre betrachten rund fünf Prozent. 2009 erhielten exakt 72 Frauen und 7 Männer (3,5 Prozent aller SozialhilfebezieherInnen) aus diesem Titel eine städtische Unterstützung. Davon Betroffene bekommen die Differenz zum Richtsatz ausbezahlt. Besonders bei Scheidungen von Familien mit geringem Haushaltseinkommen besteht die Gefahr, dass die Einkommenshöhe für beide Elternteile unter den Richtsatz fällt.
| Gründe für den Bezug von Sozialhilfe 2009 | Männlich | Weiblich | Gesamt |
|---|---|---|---|
| AMS-Leistung | 254 | 241 | 495 |
| Geringer Unterhalt | 11 | 94 | 105 |
| Geringes Einkommen | 166 | 182 | 348 |
| Kein Einkommen | 474 | 500 | 974 |
| Kinderbetreuung | 9 | 77 | 86 |
| Summe | 914 | 1 094 | 2 008 |
Als wesentliche Veränderungen sind festzuhalten:
Zu den 2 241 Sozialhilfe-BezieherInnen kamen 342 mitunterstützte Personen und 1 330 Kinder (mitunterstützte Personen mit Familienbeihilfe) hinzu. Insgesamt waren somit im Vorjahr 3 913 Menschen auf die Sozialhilfe angewiesen.
| Fälle | Personen |
|---|---|
| Hauptunterstützte Personen | |
| Alleinunterstützt | 986 |
| Wohngemeinschaft | 473 |
| Hauptunterstützt | 782 |
| Summe | 2.241 |
| Mitunterstützte Personen | |
| Mitunterstützt ohne Familienbeihilfe | 342 |
| Mitunterstützt mit Familienbeihilfe (Kinder) | 1.330 |
| Summe | 1.672 |
| Summe gesamt | 3.913 |
2008 bezogen insgesamt 1 094 Frauen Sozialhilfe. Dies entsprach einem Anteil von 54,5 Prozent. Im Krisenjahr 2009 bezogen 1 188 Frauen Sozialhilfe. 15,2 Prozent mehr Männer und 8,6 mehr Frauen bezogen 2009 im Vergleich zum Vorjahr Sozialhilfe. Dennoch sank im Vergleich der Zuwachs von männlichen Sozialhilfeempfängern gegenüber dem Frauenanteil um 1,5 Prozent.
| Geschlecht | 2008 | 2009 | Veränderung absolut | Veränderung in Prozent |
|---|---|---|---|---|
| Männer | 914 | 1 053 | 139 | 15,2 % |
| Frauen | 1 94 | 1 188 | 94 | 8,6 % |
| Jahr | Männer | Frauen | Gesamt | ||
|---|---|---|---|---|---|
| absolut | In % zur Gesamtanzahl der Fälle | absolut | In % zur Gesamtanzahl der Fälle | ||
| 2008 | 914 | 45,5 % | 1 094 | 54,5 % | 2 008 |
| 2009 | 1 053 | 47 % | 1 188 | 53 % | 2 241 |
| Veränderung zu 2008 | + 1,5 % | - 1,5 % | |||
ExpertInnen erklären diese auf das Erste überraschend wirkende Ergebnis mit der Tatsache, dass vor allem traditionell männlich dominierte Wirtschaftsbranchen wie die Industrie von der Krise betroffen sind.
Das Durchschnittsalter bei SozialhilfebezieherInnen liegt bei Männern wie auch Frauen bei rund 40 Jahren und präsentiert sich im Vergleich der Jahre als relativ stabil.
Von den 2 241 Sozialhilfe-EmpfängerInnen des Jahres 2009 erhielten 1 318 (59 Prozent) das ganze Jahr über diese Unterstützung. 923 Menschen (41 Prozent) gelang es, wieder selbständig den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Speziell Jugendliche und Erwachsene mit niedrigen Qualifikationen beziehungsweise mit mangelnder Bildung haben große Schwierigkeiten, wieder Arbeit zu finden.
Benötigten im Dezember 2005 noch 2 032 Menschen Unterstützung aus der laufenden Sozialhilfe, so waren es im Dezember 2006 1 914 und im Dezember 2007 nur noch 1 628 Personen. 2008 erreichte die Anzahl an SozialhilfeempfängerInnen mit 1 557 Personen den untersten Wert im Vergleichszeitraum. Der erneute Anstieg auf 1 878 Personen im Dezember 2009 (entspricht 21 Prozent) liegt annähernd beim Wert von 2006. Auch diese Zahlen verweisen darauf, dass die Auswirkungen der Krise in Linz durch zahlreiche AMS-Maßnahmen sowie durch das städtische Konjunkturpaket abgefedert werden konnten.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferent Vizebürgermeister Klaus Luger über die „Entwicklung der Sozialhilfe 2009“)
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